Russische Föderation/Belarus: Folterüberlebender Murad Amriev in Tschetschenien freigelassen

UA-132/2017-2
EUR 46/6484/2017
gültig bis 21.7.2017


Am 9. Juni um 3 Uhr wurde der tschetschenische Folterüberlebende Murad Amriev von der belarussischen Polizei an die russischen Behörden übergeben. Er hatte in Belarus um Asyl angesucht. Das Vorgehen kam einer geheimen Überstellung gleich. Bei der Aktion, die auf unserer Homepage war, wurde seine Freilassung gefordert, da es keine rechtliche Grundlage für seine Inhaftierung gab und er sich zurzeit willkürlich in Haft befunden hat. Ferner forderten wir seinen Schutz vor einer möglichen willkürlichen Inhaftierung durch tschetschenische Strafverfolgungsbehörden.

Neues zum Fall:

Jetzt wurde bekannt, dass Murad Amriev am 10.6. Beamten des tschetschenischen Innenministerium übergeben wurde. Er wurde gegen Kaution entlassen und darf Tschetschenien nicht verlassen.

Zu Murad Amriev:

Tschetschenischer Mixed Martial Arts Champion (Vollkontaktsportart), floh 2013 in die Ukraine, nachdem er in Tschetschenien gefoltert worden war. Er reiste dann nach Russland um ein Schengenvisum anzusuchen. Er wurde von den tschetschenischen Polizisten, die ihn gefoltert hatten, verfolgt, konnte aber die Grenze zu Belarus überschreiten. Dort wurde er wieder russischen Beamten übergeben.

Im Moment möchte Murad Amriev weder über seine Folterung noch über seine Behandlung durch die Polizei sprechen.

Der Dank geht an Alle, die sich an dieser Aktion beteiligt haben.


Aktion zum Nachlesen

Am 9. Juni um 3 Uhr wurde der tschetschenische Folterüberlebende Murad Amriev von der belarussischen Polizei an die russischen Behörden übergeben. Das Vorgehen kam einer geheimen Überstellung gleich. Sein Aufenthaltsort ist derzeit nicht bekannt und ihm drohen Folter sowie andere Misshandlungen.

Amnesty fordert

Hintergrund

Die tschetschenischen Behörden hatten Amrievs Auslieferung nach Russland gefordert, um ihn in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny vor Gericht zu stellen. Es liegen jedoch keine strafrechtlichen Gründe für eine Inhaftierung vor. Daher muss er umgehend freigelassen werden.

Nach der Festnahme an der russisch-belarussischen Grenze in der Nacht des 7. Juni wurde Murad Amriev in einer Polizeiwache in der Stadt Dobrush im Osten von Belarus festgehalten. Dort fesselten ihn Polizeibeamt_innen Berichten zufolge an einen Heizkörper, ignorierten seine Bitte, einen Asylantrag stellen zu können und verhinderten den Zugang zu seinem Rechtsbeistand.

Am frühen Morgen des 9. Juni wurde er in einem Polizei-Konvoi zur russischen Grenze gebracht. Seine Rechtsbeistände versuchten ihm zu folgen, verloren aber den Wagen aus der Sicht, in dem Murad Amriev saß, als die Polizeiwagen absichtlich in unterschiedliche Richtungen fuhren. Zurzeit ist der Aufenthaltsort von Murad Amriev nicht bekannt und seine Rechtsbeistände versuchen herauszufinden, wo er sich befindet. Alles deutet darauf hin, dass er entweder von der Polizei oder von Angehörigen der Sicherheitsbehörde der Russischen Föderation festgehalten wird. Falls er nach Tschetschenien gebracht wird, ist er in großer Gefahr, gefoltert oder in anderer Weise misshandelt zu werden.


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