Ukraine: Oleksandr Dydovych und Dmytro Koroliov – plötzlich verschwunden

UA 166/16+180/16
EUR 50/4452/+4563/2016
15.7.-24.8./7.9.2016


Auf Grund des Drucks von AI, Human Rights Watch und der Unterstützer*innen der Aktion wurde Dmytro Koroliov freigelassen:

https://www.amnesty.org/en/latest/campaigns/2016/08/released-13-people-freed-from-secret-detention-in-ukraine/


Fall 1: Oleksandr Dydovych wurde am 17.12.2015 willkürlich verhaftet und befand sich in einer nicht offiziellen Haft des ukrainischen Sicherheitsdienstes. Bis 15. April 2016 stand seine Frau mit ihm in Briefkontakt. Jetzt ist aber weder sein Aufenthaltsort noch Schicksal bekannt.

Fall 2: Dmytro Koroliov wurde am 5.1.2015 verhaftet und am 2.07.2015 wegen Anschlusses an die Separatisten in der Ostukraine zu 5 Jahren Haft verurteilt. Seine Mutter beschuldigt den ukrainischen Sicherheitsdienst ihn am 3.8.2015 entführt und an einem unbekannten Aufenthalt gebracht zu haben.

Da um ihre Sicherheit zu fürchten ist, bitten wir um Mithilfe. Bitte sendet die vorbereiteten Mails oder Briefe an den Vorsitzenden des ukrainischen Sicherheitsdienst Vasyl Hrytsak (Fall1 und 2) an den Generalstaatsanwalt Yuryi Lutsenko (Fall1), an den Chefmilitärankläger Anatoliy Matios (Fall2), an die ukrainische Parlamentskommissarin für Menschenrechte Valeriya Lutkovska (Fall1) und an den Kommissionspräsident für Supervision des Sicherheitsdienstes Polyakh (Fall2) sowie an den Botschafter der Ukraine in Wien.

Hintergrund zu Fall 1:

Oleksandr Dydovych wurde am 17.12.2015 von einem Gericht in Kostyantynivka, in der Region Donetsk wegen Weiterleitung von Informationen über Bewegungen der ukrainischen Streitkräfte an die pro-russischen Separatisten verurteilt. Er bekannte sich schuldig und erhielt eine Haftstrafe von 3 Jahren. Er wurde kurz nach Verlassen des Gerichts von 2 Männern in Uniform in ein Auto gezwungen und weggebracht. Nachforschungen am nächsten Tag ergaben, dass er in Gewahrsam des Sicherheitsdienstes von Kramatorsk war. Es wurde seiner Frau erlaubt Pakete zu senden und einmal/Woche ein Briefaustausch. Sein letzter Brief war vom 16. April.

Nach ukrainischem Gesetz darf nur der Sicherheitsdienst in Kiew für maximal 10 Tage Jemanden in Haft halten.

Am 20. April teilte man ihr mit, dass ihr Mann krank wäre, nichts essen würde und ihr Kommen zwecklos wäre. Sie wandte sich daraufhin an den lokalen Staatsanwalt und an das Büro des Sicherheitsdiensts, wo man ihr mitteilte, dass es bei ihnen keinen zwischen 17. Dezember und 21. April inhaftierten Dydovych Oleksandr Olekseevych gäbe.

Der Staatsanwalt von Kostyantynivka eröffnete Nachforschungen zu seinem Verschwinden.

Hintergrund zu Fall 2

Dmytro Koroliov, ein früherer ukrainischer Bereitschaftspolizist aus Zaporizhzhe in der Ostukraine schloss sich im Juni 2014 den pro-russischen Separatisten an. Als er sie nach einem Monat verließ, wurde er am 5.1.2015 verhaftet und wegen Bildung einer illegalen bewaffneten Gruppe und Vermeidung der Wehrpflicht zu 5 Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Er sollte am 3.8.2015 entlassen werden und seine Familie wollte ihn abholen. Nach stundenlangem Warten stellte sich die Familie in den Schatten ohne Sichtkontakt zum Tor, als sie ihn plötzlich um Hilfe rufen hörten. Wieder beim Tor war er nicht mehr zu sehen. Zeugen gaben an, dass er von einer Gruppe Männer in ein Auto mit einer Nummer des ukrainischen Sicherheitsdienstes gestoßen und weggebracht wurde. Seither ist er vermisst. Seine Mutter begann mit Nachforschungen über seinen Verbleib, aber offizielle Stellen des Sicherheitsdienstes negierten die Kenntnis über seinen derzeitigen Aufenthalt.


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